magnus muller presents J. MAYER H. - RE.FLECKS

Archive | Information & News


11 June 2010 to 24 July 2010
opening hours: tue-sat 12-6pm
magnus müller
weydingerstr. 10/12
D - 10178
Berlin
Germany
Europe
p: +49-30-390320-40
m:
f: +49-30-390320­44
w: www.magnusmuller.com











Web Links



Artist Links





Artists in this exhibition: J. MAYER H


magnus müller presents

J. MAYER H.

RE.FLECKS


* Please scroll down for English version

Verwandlungen, Fragmentieren, Freilegen und Verdecken von Informationen sind wesentliche Merkmale im Werk von J. MAYER H.Schon seit Beginn seiner künstlerisch-architektonischen Arbeit sammelt Jürgen Mayer H., Gründer von J. MAYER H. Architekten, Datensicherungsmuster, die normalerweise vertrauliche Informationen verbergen. Diese Muster verwendet er in veränderter Form in seinen Rauminstallationen und Fassadenentwürfen. Aus den zweidimensionalen Mustern heraus entwickelt J. MAYER H. Ansätze für seine skulpturale und räumliche Gestaltung, in der die so verwendeten Muster die Funktion einer graphischen Hülle erfüllen.

Schon in der Auswahl der Datensicherungsmuster als auch bei deren anschließender Verwendung stellt sich das Spielerische als ein wesentlicher Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit heraus. In der Ausstellung RE.FLECKS legt J. MAYER H. ein camouflageartiges Datenmuster zugrunde, das durch Transformation in verschiedenen Formzuständen gezeigt wird. Einige von ihnen werden auf Bildtafeln gezeigt, die als eine Referenz auf den vom Schweizer Pyschoanalytiker Hermann Rorschach entwickelten Rorschach-Testes gelesen werden können.

Rorschach liebte schon als Kind ein Spiel, das er “Klecksografie” nannte. Hierbei wird Wasserfarbe oder Tinte auf ein Papier getropft, welches anschließend in der Mitte zusammengefaltet wird. Da die Farbe noch feucht ist, bildet sich auf der anderen Seite ein Abbild der betropften Seite. Man meint eine Fledermaus, einen Schmetterling oder auch Lungenflügel zu erkennen. 1917 hörte er von dem Kollegen Szyman Hens, der Probanden über die von Ihnen gefertigten “Klecks-Bilder” befragte. Dies inspirierte ihn dazu eine eigene Versuchsreihe zu entwickeln. Fünf symmetrische farbige und fünf schwarz-weiße Tafeln legte er 300 Patienten psychiatrischer Kliniken und 100 als gesund geltenden Menschen vor. Die Tafeln werden in einer bestimmten festgelegten Reihenfolge gezeigt, mit dem Hinweis, daß die Bildtafeln beliebig gedreht und gewendet werden können. Auf die Frage “Was könnte das sein?” und dem Hinweis, daß es keine falschen oder richtigen Antworten gibt, werden die Probanden gebeten, ihre Assoziationen zu dem Klecksbild zu nennen.

Die Auswertung der Formdeuteverfahren beruht auf einer von Rorschach behaupteten menschlichen Neigung, die eigenen Gefühle und Gedanken auf mehrdeutige Anreize zu projizieren. Die Häufigkeit von Deutungen nach Farbe, Form, Bewegung, Details oder Ganzem, Mensch oder Tier wurde entsprechenden Faktoren zugeordnet. Eine Deutung nach der Form wird als intelligenter, vielleicht zwanghaft genauer Charakter ausgelegt. Wenige Deutungen auf Bewegung weisen auf eine Depression hin. Rorschachs Analyseverfahren setzte sich in der Psychodiagnostik nach seinem Tod 1922 durch und hat Generationen von Psychoanalytikern geprägt.

J. MAYER H. bedient sich dieser Projektionen und entwickelt aus ihnen ein eigenständiges endloses Musterfeld. Seine camouflageartigen Datenmuster in der Ausstellung RE.FLECKS können wie die Bildtafeln von Rorschach vom Betrachter frei gelesen werden. Darüber hinaus laden sich die Tafeln in der Ausstellung bei magnus müller gegenseitig auf und treten in einen Dialog. Nicht nur das Spiel mit der Entwicklung der Formen und dem Zustand zwischen Zwei-, Drei- und Vier-Dimensionalität machen hier das Spannungsfeld der Deutungen aus. Wie schon Rorschach entwickelt J. MAYER H. eine Art pseudowissenschaftliche Disziplin, die in sich selbst ihre Regeln findet. J. MAYER H. entwickelt hieraus ein visuelles Spiel, bei dem es um die Aufdeckung des Versteckten und Verborgenen geht.

Der Prozeß des Sichhineindenkens in seine Architekturen bedient sich dieser Tafeln als einer Hülle, die in der Umsetzung zu Skulpturen ihr eigenständiges Leben entwickeln . Dies können wir auch in der Architektur JOH3 in Berlin wiederfinden, wo ein wolkenartiges, wellenartiges Endlosmuster die Fassade prägt oder Metropol Parasol in Sevilla, das an überdimensionierte Schirme erinnert. Das camouflageartige Datensicherungsmuster erfährt hier eine weitere Verwandlung und gelangt in der Umsetzung zur Architektur zu einer Auflösung der Ränder. Fehlstellen in den Fassaden wie auch in den Skulpturen von RE.FLECKS lassen Zwischenräume zu, die dem freien Interpretieren und Assoziieren Möglichkeiten geben. Eine Festlegung der Grenze zwischen dem Sichtbar- und Unsichtbarmachen, dem Materiellen und dem Immateriellen erscheinen nicht möglich und geben J. MAYER H.s Architekturskulpturen ihren ephemären Charakter.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen Valentina Michelini und Sönke Magnus Müller gerne zur Verfügung.

Im Rahmen der Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Sönke Magnus Müller.

RE.FLECKS wird anschließend vom 29. Juli bis zum 17. September 2010 in München bei magnus müller temporary gezeigt.



magnus müller presents

J. MAYER H.

RE.FLECKS


J. MAYER H.’s work is characterized by transformation, fragmentation, and the concealing and revealing of information.

>From the beginning his artistic-architectural practice Jürgen Mayer H., founder of J. MAYER H. Architects, has been collecting data encryption patterns typically used to obscure confidential information, employing them in a modified form in his spatial installations and façade designs. The two-dimensional patterns form a point of departure for his sculptural and spatial concepts, so that the patterns used take on the function of a graphic enclosure.

Playfulness plays a significant role both in the way Mayer selects the patterns and they way they are eventually used in his artwork. J. MAYER H. bases his work in the RE.FLECKS exhibition on a camouflage-like data encryption pattern showing a transfiguration into various forms. Some of these can be seen in the form of images that, in a reference to the Rorschach test developed by Swiss psychoanalyst Hermann Rorschach, can be read and interpreted in different ways.

Even as a child Rorschach loved a game he called “klecksography,” which involved dropping watercolors or ink on a piece of paper that was then folded in the middle. Because the paint is still wet, the resulting shape is also reflected in a print on the other side of the fold. In it, one might see a bat, a butterfly or even a lung. In 1917 he heard from his colleague Szyman Hens, who inquired about subjects for the so-called “Klecks pictures” they had created, inspiring Rorschach to develop his own series of experiments. Five symmetrical, colored and five black and white pictures were shown to 300 psychiatric patients and 100 people who qualified as “healthy.” The pictures were shown in a certain order, and subjects were told that they could turn them around anyway they chose. Asked the question “What could this be?” and told that there or no wrong or right answers, participants were asked to name what they associated with the “Klecks pictures.”

The evaluation process for recognizing forms refers to what Rorschach claimed was a human tendency to project one’s own thoughts and feelings on ambiguous stimuli. The frequency of various interpretations according to color, form, movement, details or the whole, human or animal is evaluated on the basis of specific factors. An interpretation based on these forms displays an intelligent, perhaps compulsively exacting character. Few movement-related interpretations indicate depression. Rorschach’s analytical procedure continued to be used after his death in 1922 and influenced generations of psychoanalysts.

J. MAYER H. utilizes these projections and from them develops a self-contained, endless field of pattern. The camouflage-like data patterns on view in the RE.FLECKS exhibition are, like the Rorschach tests, open to interpretation by the viewer. What is more, the images on view at magnus müller stand in opposition to each other, entering a dialogue. But it is not only the game of formal creation and the relationship of two-, three- and four-dimensionality, like Rorschach J. MAYER H. actualizes a kind of pseudo-scientific discipline that invents its own rules. From this, J. MAYER H. creates a visual diversion that uncovers the hidden and latent.

In these pictures the process of personal projection and understanding shown in the artist’s architecture takes on the quality of an enclosure, forming on a life of their own through their realization as sculpture. This is also reflected in the JOH3 structure in Berlin, where a cloud-like, wave-like, infinite pattern forms the façade, likewise the Metropol Parasol in Seville, which is reminiscent of an oversized umbrella. Here the camouflage-like data encryption patterns experience a further transformation and succeed in dissolving borders in their permutation as architecture. As with the sculptures in RE.FLECKS, openings in the façade create interim spaces that open themselves to interpretation and associative possibility. Establishing a boundary between the visible and invisible, material and immaterial appear impossible, lending J. MAYER H.’s architectural sculpture their ephemeral character.

For further inquiries please contact Valentina Michelini and Sönke Magnus Müller at the gallery.

The exhibition is accompained by a new publication edited by Sönke Magnus Müller.

RE.FLECKS will be exhibited afterwards from july 29th – september 17th 2010 in Munich at magnus müller temporary.