In seiner zweiten Ausstellung in den Frankfurter Räumen der Galerie Eva Winkeler präsentiert Matthias Meyer (*1972) eine Kombination von Ergebnissen verschiedener Arbeitsmethoden, die im Zusammenhang stehen mit Medien wie Literatur, Film und Musik.
Bei der Arbeit „How can you smile when you´re deep in thought?“ handelt es sich um eine musikalische Analyse des Sprachklanges eines Gesprächs zwischen den zwei einflussreichen amerikanischen Komponisten Morton Feldman und John Cage. In der hier bearbeiteten Sequenz ging es um ihr Selbstverständnis als Künstler sowie um die Sinnfrage künstlerischer Produktion. Die hier als Bild präsentierte Klangumwandlung in Notenform erfährt eine Ergänzung durch die musikalische Interpretation der Notierung durch ein Vibraphon, dessen hohler, metallischer Klang den Raum atmosphärisch füllt.
In „A Museum of its Memory“ erfährt der Foto-Filmklassiker „La Jetée“ (1962) von Chris Marker eine Rückführung auf seinen fotografischen Ursprung. Die 566 Einzelfotos des Originalfilms wurden vom Künstler durch Überlagerung in eine einzige fotografische Schicht überführt, wobei die Deckkraft jedes einzelnen Bildes der zeitlichen Erscheinungsdauer im Film entspricht.
Der Roman „À rebours“ von Joris-Karl Huysmans ist das Ausgangsmaterial für Meyers Projektion in der Ausstellung. Die wortgewaltige Geschichte des Romans um den dekadenten aristokratischen Protagonisten Des Esseintes aus dem Jahr 1884, der sich aus der sozialen Realität zurückzieht und in eine artifizielle Welt flüchtet, erfährt eine visuelle Entsprechung in der Minimierung auf seine kleinste Einheit – den Buchstaben. In einem Zeitraum von 35 Stunden laufen die Buchstaben über die Ausstellungswand und die Projektion selbst wird zu einer unüberschaubaren Erzählmaschine.
Der Titel der Ausstellung „Inside the Dreamachine“ spielt u.a. auf eine Erfindung des Künstlers Brion Gysin an, die er Ende der 50er Jahre zusammen mit Ian Sommerville entwickelte hat. Hierbei handelte es sich um einen rotierenden hohlen zylinderförmigen Körper, durch dessen geometrisch verzierten Öffnungen Licht nach außen dringt, das durch die fortwährende Rotation ein Flackern hervorruft, welches dem Betrachter, der diesem Gebilde mit geschlossenen Augen begegnen soll, eine das Gehirn stimulierende Lichtfrequenz auf die Augenlider zaubert.
Rein Optisch wird der Dreamachine-Bezug durch die Hohlkörperform einzelner Werke aufgegriffen – durch den zylindrischer Hohlkörper des Vibraphons, dessen Klang den Betrachter in der Ausstellung begleitet und durch die Arbeit „Endless Ocean“. Historische Seekarten bilden die Vorlage für diese Arbeit. Gitterstrukturen, die zur Festlegung von Schiffspositionen dienen, werden bei Meyer in Form der zusammengerollten Karte zu einem endlosen Ozeans zusammengeführt.
Die Lesart von The Rising Stars / The Falling Snow funktioniert sowohl inhaltlich, als auch formal in zwei Richtungen. Beide Seiten des Buches sind mit einem anderen Titel versehen und beschreiben doch dasselbe Bildmaterial. Die künstlich generierten, tanzenden Partikel erhalten durch ihre Abfolge eine filmische Anmutung. Die Verortung dieser Partikel (Nähe oder Ferne) erschließt sich durch das Deuten des Betrachters. Der flüchtige Moment des Schnees trifft auf die Beständigkeit der Sterne.
Matthias Meyer
born 1972 lives Hamburg 1996 - 2001 Studium der freien Kunst Muthesius Hochschule Kiel und ander Akademie der Bilden Künste Wien 2007 - Atelierstipendium neue Kunst in Hamburg e.V 2008 - Atelierstipendium Cite des Arts, Paris
Solo Shows 2009 "Inside the Dreamachine", Galerie Eva Winkeler, Frankfurt 2008 "Neue Kunst in Hamburg", Galerie Sfeir-Semler, Hamburg 2007 "black and white and colour", Ritter&Staiff, Frankfurt/Main 2006 "Snowww", Künstlerhaus Frise, Hamburg 2005 "empty moon for the empty room", Galerie Trottoir, Hamburg 2004 "bush of ghosts", Bergstübl Projekte, Berlin
Group Shows 2009 "Was sonst soll ich lieben, wenn nicht das Rätsel?", Neuer Kunstverein Aschaffenburg, Aschaffenburg "The Survival Group", Ars Longa, Paris 2008 "Zeitblick - Ankäufe aus der Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland", Martin Gropius Bau, Berlin "Wir nennen es Hamburg", Hamburger Kunstverein, Hamburg 2007 "Die Wörter, die Dinge", Kunstverein, Düsseldorf "Matthias Meyer/Karl Orton", Galerie Eva Winkeler, Frankfurt/Main "parcours interdit", Makastenpark, Düsseldorf "Artists' Books", Space Other, Boston "after the shuffle (mit Ralf Weißleder)", Jacobihaus, Düsseldorf "Videonale 11", Kunstmuseum, Bonn "about blank", Galerie Konrad Fischer, Düsseldorf 2006 "rip it", Club 103, Berlin "Fünfte Berlin Biennale", Brix, Berlin "Hamburgstipendiaten", Kunsthaus, Hamburg 2005 "Die Ritter der Tafelrunde", Künstlerhaus, Wien 2004 "Weiße Nächte", Kunsthalle, Kiel "Wandlungsraüme", Kunsthalle, Kiel 2002 "interim platform", Galerien Kerstin Engholm, Wien "jet set", Landesvertretung S.-H, Berlin 2001 "Anstoß", Kunstverein, Nürnberg "Brockmann-Preis (Preisträger)", Stadtgalerie, Kiel "Freundschaft (mit Ingo Gerken)", Galerie Kuckei+Kuckei, Berlin 2000 "akademie per l´europa", Castello di Rivoli, Turin "block", apex art, New York "um und bei", Kunstverein Plön, Plön