We have pleasure in presenting new cut-outs, medium and large format silhouettes, by the German artist Stefan Thiel (born 1965 in Berlin, lives and works in Berlin), in our next exhibition. His work was recently on display at Art Unlimited 2007 in Basel and in Freiburg (Germany), last year it was shown in galleries in Berlin and Amsterdam and, in 2004, in the Kunstmuseum Solothurn (Switzerland).
Silhouettes are reminiscent of shadow play, or even of painting and drawing classes at school. However, there is nothing antiquated or old-fashioned about Stefan Thiel's work – on the contrary: they have a fresh, exciting and subtle effect, especially since he undermines the typical two-dimensional aspect of conventional cut-outs with effects of perspective and depth. Working from photographic originals, Thiel explores the motifs in terms of their suitability as silhouettes, i.e. he works with contrasty subjects which he reduces to the high contrasts of black and white. With the help of a slide projector, Thiel traces the outlines of his motifs with a light pencil and consequently with a scalpel. This tricky work is very exacting and time-consuming, a production process that effectively counteracts the ever increasing tempo of today's economy and media. On the other hand, the cut-outs bear witness to an obsessive industriousness, a diligence that Thiel evidenced as early as 1994-1998 when he translated the texts from Marquis de Sade's The Days of Sodom or The School of Excess into Braille. The title of the exhibition Schwarze Pumpe (Black Pump) refers to the community of the same name, which, in the days of the GDR, was one of the world's largest refineries of brown coal and which was incorporated into the city of Spremberg in September 1998. We tend to think of such a place as being pitch black and inhabited by dark figures, comparable to Thiel's silhouettes of city views. At the same time, the artist uses his reference to the black pump to provoke contrasts, allowing, for example, a breath of luxury to penetrate the atmosphere of the Ruhr Basin in the form of a luxurious crocodile skin handbag decorated with roses. Apart from the handbag, the other motifs are quite unspectacular, for instance a maypole, ornamented and edged textiles, or sections of landscapes. The landscapes are based on photographs from Thiel's immediate surroundings. The aesthetic effect of the cut-outs lend Thiel's motifs a poetic, sometimes even dramatic impact. In addition, the works are strongly characterised by the reflection of light, sequins or from modelled surfaces of, for instance, water. During his work on translating the photograph into the technique of the cut-out, Thiel explores the displacement of meaning thus engendered, namely from an image with a documentary character into an indefinite, fictitious sphere.
[Text: Dominique von Burg, Translation: Maureen Oberli-Turner]
Wir freuen uns, Ihnen in unserer nächsten Ausstellung neue „Cut-outs“, mittel- und grossformatige Papierschnitte, des deutschen Künstlers Stefan Thiel (*1965 in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin) präsentieren zu können. Vor kurzem waren seine Arbeiten an der Art Unlimited in Basel und im Kunstverein Freiburg (Deutschland) zu sehen, letztes Jahr in Galerien in Berlin und Amsterdam sowie 2004 im Kunstmuseum Solothurn (Schweiz).
Papierschnitte mögen uns an Schattenspiele oder gar an den Mal- und Zeichenunterricht in der Schule erinnern. Doch Stefan Thiels Papierschnitte haften nichts Antiquiertes oder Verstaubtes an; im Gegenteil, sie wirken frisch, sind spannungsvoll und subtil durchgebildet, zumal er die typische Flächigkeit herkömmlicher Scherenschnitte mit perspektivischer Tiefenwirkung unterläuft. Ausgehend von fotografischen Vorlagen untersucht Thiel die Motive auf ihre Scherenschnitt-Tauglichkeit hin, das heisst, er greift kontrastreiche Dinge auf, und reduziert sie sodann auf die harten Kontraste von schwarzen und weissen Flächen. Mit Hilfe eines Diaprojektors zeichnet Thiel die Umrisse des Motivs mit einem hellen Stift nach und arbeitet dann mit dem Skalpell. Diese knifflige Arbeit ist sehr zeit- und arbeitsintensiv. Damit ist diese Produktionsweise zweifellos ungeheuer entschleunigt, womit einerseits die immer schnelleren Wirtschafts- und Medien-Kreisläufen konterkariert werden. Andererseits sprechen die Blätter von einem obsessiven Fleiss. Solch einen Fleiss legte Thiel schon an den Tag, als er zwischen 1994 und 1998 die Texte aus Die 120 Tage von Sodom oder Die Schule der Ausschweifung, des Marquis de Sade in Blindenschrift übertragen hatte. Der Ausstellungstitel Schwarze Pumpe nimmt Bezug auf die gleichnamige Gemeinde, die in DDR-Zeiten zum grössten Braunkohleveredelungsbetrieb der Welt gehörte, und seit September 1998 in die Stadt Spremberg eingemeindet ist. Einen solchen Ort stellt man sich pechschwarz vor und von dunklen Gestalten bevölkert; Thiels Ausschnitten aus Stadtansichten vergleichbar. Gleichzeitig will der Künstler mit dem Hinweis auf die Schwarze Pumpe Kontraste provozieren; so wenn er in die Ruhrpotatmosphäre einen Hauch von Luxus dringen lässt, etwa in Form einer luxuriösen, mit Rosen verzierten Handtasche aus Krokodilleder. Abgesehen von der Handtasche sind auch die anderen Motive recht unspektakulär, sei es ein Maibaum, seien es verzierte und bordierte Textilien, oder Ausschnitte aus Landschaften. Die Landschaften gehen auf fotografische Vorlagen aus Thiels unmittelbarer Umgebung zurück. Die Motive gewinnen rein durch die ästhetisierende Wirkung des Scherenschnitts eine poetische, ja zuweilen gar dramatische Wirkung. Zudem leben die Arbeiten von der Reflektion von Licht, von Pailletten oder von modullierten Oberflächen, wie etwa von Wasser. Während der Übertragungsarbeit von der Fotografie in die Technik des Papierschnitts ergründet Thiel die hierdurch hervorgerufenen Verschiebungen von Bedeutung, nämlich vom dokumentarischen Charakter in eine unbestimmte, fiktive Sphäre.